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Gestörter Energiestoffwechsel des Gehirns bei Menschen mit Post-COVID

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Bremen, 28.02.2026 (FS) – Konzentrationsprobleme, Brain Fog und verlangsamtes Denken belasten viele Menschen mit Post-COVID erheblich. Forschende des Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim haben nun neue Hinweise gefunden. Sie untersuchten, ob der Energiestoffwechsel im Gehirn messbar verändert ist.

Schätzungen zufolge entwickeln fünf bis zehn Prozent der Infizierten ein Post-COVID-Syndrom. Neben Erschöpfung berichten viele Betroffene über deutliche kognitive Einschränkungen. Diese Beschwerden können Alltag und Beruf massiv beeinträchtigen. Die genauen Ursachen sind bislang nicht ausreichend geklärt. Eine zentrale Hypothese betrifft eine gestörte zelluläre Energiebereitstellung.

Die NEULOCO-Studie

Im Rahmen der NEULOCO-Studie nutzte das Team eine spezielle MRT-Variante. Zum Einsatz kam die Phosphor-Magnetresonanzspektroskopie, kurz 31P-MRS. Mit diesem Verfahren lassen sich energiereiche Phosphate im lebenden Gehirn untersuchen. Besonders relevant sind Adenosintriphosphat, kurz ATP, und Phosphokreatin, kurz PCr. ATP gilt als zentraler Energieträger der Zelle. PCr dient als kurzfristiger Energiespeicher zur schnellen ATP-Bereitstellung.

Untersucht wurden 27 Post-COVID-Erkrankte und 23 genesene Kontrollpersonen. Alle Teilnehmenden absolvierten zusätzlich standardisierte kognitive Tests. Die Testergebnisse wurden mit den gemessenen Stoffwechselwerten verglichen.

Das zentrale Ergebnis war ein reduziertes ATP-zu-PCr-Verhältnis bei Post-COVID. Dieses verringerte Verhältnis deutet auf eine beeinträchtigte Energiebereitstellung im Gehirn hin. Die Veränderungen zeigten sich besonders im Bereich des cingulären Cortex. Diese Hirnregion ist wesentlich an Steuerung und Organisation von Denkprozessen beteiligt.

Niedrigere ATP/PCr-Werte im vorderen cingulären Cortex korrelierten mit schlechteren Testergebnissen. Damit zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Energiemarkern und kognitischer Leistungsfähigkeit. Die Daten sprechen für eine Beteiligung größerer vernetzter Hirnsysteme.

Etwa die Hälfte der Post-COVID-Gruppe erfüllte zusätzlich Kriterien für ME/CFS. ME/CFS ist durch schwere Erschöpfung und Belastungsintoleranz gekennzeichnet. In der Subgruppenanalyse zeigten sich ähnliche Stoffwechselmuster wie ohne ME/CFS. Das deutet auf gemeinsame biologische Mechanismen beider Erkrankungen hin.

Gesunde Teilnehmer werden noch gesucht

Die Studie belegt Zusammenhänge, jedoch keine eindeutige Ursache. Diskutiert werden mitochondriale Funktionsstörungen und entzündliche Stoffwechselveränderungen. Auch durchblutungsbedingte Einflüsse könnten eine Rolle spielen. Die Ergebnisse liefern wichtige Ansatzpunkte für zukünftige Therapiestrategien.

Mit der Studie SLEEP-NEURO-PATH wird nun gezielt ME/CFS untersucht. Das Projekt konzentriert sich ausschließlich auf entsprechende Hirnmechanismen. Die Studie wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Für SLEEP-NEURO-PATH werden weiterhin gesunde Teilnehmende gesucht.


Titelbild: Brain Fog. Illustration: © Frank Schurgast / Inklusion Nord e.V.


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